Freitag, 30. August 2013

"Ein Haus fuer die Zukunft"




Ich haette ja wirklich nicht gedacht, dass ich das hier in Afrika noch erleben werde, aber wir haben ein neues Haus fuer's Kinderheim gefunden. Wie kam es dazu:

Am Montag beginnt in Mtwapa wieder die Schule, die (kurzen) Ferien vor dem 3. Trimester sind vorueber und da unsere Kids jetzt auch endlich Schuluniformen haben, steht ihnen eig. nichts mehr im Weg, um auch in die Primary School zu gehen...richtig? Falsch! Es ist genau der Weg, der das Problem darstellt. Vom Heim bis zur Primary ist es unglaublich weit, ich wuerde locker 90 Minuten zu Fuss unterwegs sein. Fuer unsere Groesseren ist das schon sehr sehr viel und von der kleinen Meris oder von Delmas fang ich erst gar nicht an.



Was hat man also fuer Moeglichkeiten:

1.) Man bestellt regelmaessig 3 Bodas, die die Kinder in der Frueh zur Schule fahren, mittags wieder nach Hause zum Essen, dann wieder in die Schule und dann wieder heim. Wenn man da einen wirklich guten Preis verhandelt, kostet eine Strecke pro Boda 70 Schillinge, das macht 840 Schillinge pro Tag, also 16800 Schillinge pro Monat nur fuer den Transport! Dazu ist es auch nicht gerade ungefaehrlich fuer kleine Kinder, alleine mit dem Boda unterwegs zu sein.

2.) Man organisiert sich ein Matatu, welches die Kinder jeden Tag in die Schule bringt und abholt. Mittagessen wird mitgegeben, das ist dann allerdings kalt und man weiss auch nicht, wie fair das dann geteilt wird. Der Preis ist mit Sicherheit nicht sehr viel billiger, ausserdem fehlen uns da die vertraunswuerdigen Connections.

3.) Wir suchen uns ein neues Haus, in der Naehe der Primary School, damit die Kinder zu Fuss laufen koennen.




Jacque und ich sind schon ein paar mal einfach drauf los und haben in der Gegend nach passenden Haeusern gesucht, weil ein Markler nicht grade billig ist hier. Gefunden haben wir nur ruinenartige Bruchbuden oder viel zu kleine Haeuser - bis jetzt! Jacque hat mehr oder weniger das perfekte Haus gefunden! Es ist ganz neu, im Swahili-Stil (also aus Stein!), zwar noch nicht ganz fertig, aber so gut wie. Es ist riesig, wir haben 7 Zimmer fuer uns, dazu einen Innenhof, 2 WCs und eine Dusche! 3 Zimmer sind schon einzugsfertig, also packen wir heute wirklich unsere Sachen zusammen und ziehen um. Das ist verdammt schnell gegangen in den letzten Tagen. Die Lage ist perfekt, rundherum ist keine frequentierte Strasse, viele Felder, also auch viel Platz zum Spielen und der Preis stimmt auch (meint Jacque!): ca. 15000 Schilling Miete pro Monat (man vergleiche nur mal die Fahrtkosten mit den Bodas, das alte Haus kostet 10000 Schilling Miete!), und weil Jacque in den naechsten Monaten auch noch mehr Kinder aufnehmen will, ist dafuer endlich auch genug Platz, denn in ein Zimmer passen mit Stockbetten (die erst besorgt werden muessen, das werde ich nicht mehr sehen) locker 6 Kinder, dann haetten wir 4 Schlafzimmer, ein Spielzimmer, eine Kueche, ein Schlafzimmer fuer die 'Aunties', den Innenhof zum Spielen und draussen auch jede Menge Platz. Und das alles ca. 5 Minuten zu Fuss von der Primary School entfernt.





...der neue Schulweg.



Ich bin schon total gespannt, wie es den Kindern gefaellen wird! Wie gesagt, heute Nachmittag sind wir umgezogen, und zwar mit Bodas! Wir haben riesige Umzugskartons bis hin zu Matratzen hinten ans Motorrad gespannt. Einzig die Betten muessen mit einem Hiolzkarren, wie sie die Wasserverkaeufer auch haben, den weiten Weg zum neuen Zuhause geschleppt werden! Um ca. 17:00 Uhr waren wir fertig, wir beziehen die neuen Raeume, und den Kindern daugts! Sie sind total aufgeregt und flitzen durch alle Raeume, wenn sie alle durch haben, beginnen sie wieder beim Ersten und zeigen uns alles stolz!




Das neue Zuhause!

Der Eingangsbereich.

Innenhof und Zugang zu unseren 7 Zimmern

Ein Zimmer.

WC - WC - Dusche

Kartons wie diese wurden mit dem Boda transportiert, kein Problem in Afrika!

Boda-Fahrer Felix und ich warten auf neue Anweisungen!





Die Kids fuehlen sich schon wie zu Hause!



Recht wohnlich sieht das Ganze noch nicht wirklich aus, aber die Kinder sind von zuhause wohl Schlimmeres gewohnt. Faith meint, in ein paar Wochen wird hier ein tolles, grosses, neues Zuhause entstehen! Oder wie Jacque meint: "Ein Haus fuer die Zukunft!"




Mittwoch, 28. August 2013

Badespass und Culture Day




Seit Tim, ein neuer Volunteer aus Stuttgart, da ist, ist die 'Arbeit' im Heim viel angenehmer geworden. Man teilt sich auf beim Lernen, Spielen, und vor allem ist man nicht mehr der einzige Mzungu, der einen hochnimmt und in der Luft herumwirbeln kann....ich steh auf Arbeitsteilung.
Ausserdem ist es jetzt auch viel leichter (wobei es sich terminlich eher um Zufaelle handelt), Ausfluege durchzufuehren. Wir waren gemeinsam im Pool baden, am Strand und am sogenannten Culture Day. Was es damit auf sich hatte, koennt ihr hier chronologisch nachlesen! ;-)


Letzten Freitag haben wir unsere Badesachen zusammengepackt und sind mit Bodas zum Global Hotel hier in Mtwapa aufgebrochen. Die Besitzer haben uns zum schwimmen im Pool und zum Mittagessen eingeladen, was ich schon vor der Ankunft extrem nett fand. Die Ehefrau des Hotelinhabers ist mit Jacque befreundet und hat einige Tage zuvor auch eine grosse Kleiderspende geliefert, die meisten T-Shirts sind zwar zu gross, aber die Kinder wachsen da bestimmt rein, da mach ich mir ueberhaupt keine Sorgen!

Dort angekommen finden wir eine riesige Terasse mit Pool, Planschbecken, Bar, Tischfussball, Billard-Tisch, usw. vor. Die Kids waren kaum zu halten, haben sich sofort ausgezogen und wollten ins nass, schwimmen kann uebrigens niemand von den Kleinen. Aber mit Tim, Jacque, Carter, Faith und mir, waren genug da zum Aufpassen. Ausserdem hab ich noch 3x Schwimmfluegel besorgt, ein grosser Schwimmreifen trieb einsam im Pool rum, und die kleineren Kids trauten sich sowieso nur ins kleinere Plastikbecken.







Die Zeit verging wie im Flug, ich war total erstaunt, wie mutig manche Kinder sich ins tiefere Becken trauten und versuchten zu schwimmen. Meistens hatten sie sich aber an uns gekrallt, um nicht unterzugehen, mit der Zeit versuchten sie aber immer mehr. Mittags gabs dann Pilau und Saft fuer alle, wir waren nach wie vor die einzigen Hotelgaeste, Gott sei Dank, weil wir waren auch alles andere als leise! Zum Verdauen holte Jacque die mitgebrachten Brettspiele heraus, Carter konnte es noch immer nicht fassen, dass er im Tischfussball gegen mich nicht gewinnen kann und fordert mich ohne Erfolg immer wieder heraus, bis er mich, damit die Welt wieder in Ordnung ist, im Billard vernichtet! Die Hotelbesitzer schaun noch vorbei und bringen uns Federballschlaeger und andere Outdoorspiele. Sie haben sich sichtlich ueber unseren Besuch gefreut!

Nachher gings nochmal kurs ins Wasser, bis wir um 4 unsere Sachen zusammenpackten und muede, aber happy zurueck ins Heim duesten.









Brrrrr......^^







Montag vormittags war Strandtag. Wieder auf Bodas duesten wir zum Coba Cabbana Strand, es war Ebbe, also war das Meer unglaublich weit weg, nur ein paar 20cm tiefe 'Pfuetzen' waren in der Naehe. Ich muss betonen, zum Glueck war Ebbe! Kaum hat die kleine Meris das Meer erblickt, trottete sie weinend davon. Nach einiger Zeit der Beruhigung, wollte sie dann aber doch ins Wasser, zwar nicht ins boese grosse Meer, aber in die Pfuetzen!! ;-) Weil die groesseren Kinder nicht sehr viel mutiger waren, haben wir die meiste Zeit Spiele am Strand gespielt oder die Kids im seichten Wasser planschen lassen, waehrend wir von anderen Kindern beobachtet wurden, die aber zu schuechtern waren, um mitzuspielen. :-P








Mittwochs brachen wir (endlich, ich freute mich schon Wochen darauf!) nach Kilifi auf zu einem afrikanischen Dorf, zum Culture Day! Wir starteten um 9:00 (afrikanische Zeit, also um 9:45 waren dann wirklich alle fertig), und weil Kilifi ein Stueckerl weiter weg ist, sind wir mit dem Auto gefahren, bzw. Toni hat uns gefahren, ein Freund von Jacque. Und bevor ihr euch jetzt wundert, wie sich das ausgeht mit 8 Kindern, Auntie Faith, Jacque, Toni, Tim und mir...ja, in ein normales Auto passen locker 13 Leute rein, schoen zusammengeschlichtet auf der Rueckbank und im Kofferraum. Das ist in Kenia natuerlich auch nicht erlaubt, aber weil die Polizei hier sowieso korrupt ist, herrscht auf der Strasse Anarchie, oder kurz gesagt, es ist allesn voellig wurscht!




Nach ca. einer Stunde Fahrt, kommen wir im Dorf an! Dort wurden wir schon erwartet und herzlichst empfangen. Wir bekommen eine kurze Fuehrung durch das Dorf und die dazugehoerigen Felder, dann duerfen die Mzungus unter uns auch gleich ran zum Mais zermahlen fuers Ugali, mit einem schweren Holzstock, der als ueberdimensionaler Moerser verwendet wurde, begleitet wurden unsere Versuche von schamlosen Kinderlachen. Anschliessend wurde ein Huhn und ein Hahn fuer uns geschlachtet, gerupft und uns spaeter als Mittagessen serviert! Aber bis es soweit war, wurde viel gespielt, auch die ansaessigen Kinder waren mit dabei.



Tim beim Ausgraben einer Kassava (Maniok)


Cassavas kann man wie hier entweder geschaelt und roh essen, oder gekocht!


Durch die Felder...

Kadzo ist misstrauisch!

Sorry!

Die Huehner werden kurz in kochendes Wasser gelegt und dann schnell gerupft.


Passionsfrucht!


Mittagessen :-D



Die arme Katz muss zugucken!


Nach dem Essen meinte es leider das Wetter nicht so gut, die Kids wurden in eine Steinhuette mit Satellitenschuessel geschickt und durften Fernsehen. Wir Erwachsene wurden eingeladen auf ein paar Glaeser Palmwine und kurz darauf begannen schon die politischen Diskussionen, in Kiswahili. Macht aber nix, Meris und Fatuma haben mich gut auf Trapp gehalten, Delmas hat ein neues Spielzeug fuer sich entdeckt: einen Reifen! Und nachdem es zum Regnen aufgehoert hatte, waren alle Kinder wieder draussen.




Und auch Kokosnusssaft gabs wieder, nachdem wir fast von 3 ganz frischen Nuessen erschlagen wurden. Ups.







Bis es dunkel wurde, konnten sich die Kids richtig austoben, Tim und mir wurden noch einige afrikanische Traditionen erklaert und wir bekamen Kuerbis und Passionsfrucht zum Naschen. Dann hat Jacque beschlossen, die Kinder sollen hier noch "duschen", damit sie daheim nur noch ins Bett schluepfen muessen, es war doch schon etwas spaet und mittlerweile stockdunkel. Ein paar Oellampen sorgten fuer Licht, das wars aber auch schon, ringsum war nur Wald und Feld, ich war sehr beeindruckt von unserem Fahrer Toni, dass er uns wieder heil auf die Hauptstrasse gebracht hat, bzw. dass er sie ueberhaupt wiedergefunden hat!


Passionsfruechte






Davor mussten wir aber unsere Kinder wieder finden und einsammeln und ins Auto schlichten. Auf der ca. einstuendigen Heimfahrt wurden zuerst laut Kinderlieder gesungen, ein geiles Gefuehl da mitten drin zu sitzen, waehrend afrikanische Kids sich die Seele aus dem Leib bruellen, dann wurden wir tatsaechlich von der Polizei aufgehalten, die uns aber ohne Diskussion weiterfahren liess, als Toni erklaerte, wir kommen von einer Verwandtenfeier, er sei der Onkel der Kinder und bringt sie schnell nach Hause (ja klar, mit zwei ausgewachsenen Mzungus auf der Rueckbank, bestimmt...^^). Nachher sind alle nach der Reihe eingeschafen, jeder von uns grossen (ausser Toni) hatte ein Kind im Arm, was war total herzig!






Alles in allem war das eine echt geniale Zeit mit den Kindern! Sie habens sichtlich genossen, mal aus dem Heim raus zu kommen, aber mir ahts auch unglaublich viel Spass gemacht, v.a. der Culture Day heute! Aber mir reicht jetzt langsam auch, mir fallen die Augen zu. Es war dann doch auch dezent anstrengend, hat sich aber auf jeden Fall gelohnt! ;-)